Klartext

Warum ist Windkraft wichtig für die Energiewende?

Die Notwendigkeit der Energiewende (100% Erneuerbare Energien in der Erzeugung und im Verbrauch) ist wissenschaftlich belegt, die Umsetzung ist gesellschaftlich akzeptiert und als politisches Ziel gewollt. Auch EWS setzt sich für eine Energieversorgung ohne Atomkraft und ohne klimaschädlichen Kohlestrom ein. So sollen künftige Generationen, Umwelt und Natur vor den negativen Auswirkungen des Klimawandels und den Wandel forcierenden konventionellen Energieträgern geschützt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Potenziale für den Ausbau Erneuerbarer Energien ausgeschöpft werden. Dieses ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Verantwortung.

Hierzu gehört auch die Nutzung von Windkraft in Südbaden. Die Stromerzeugung in Baden-Württemberg setzt sich nach wie vor zu 34,7% aus Kernenergie und zu 29,1 % aus Steinkohle zusammen. Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung liegt in Baden-Württemberg aktuell unter 30% (Statistisches Landesamt Baden-Württemberg).

Wieso der Standort Zeller Blauen?

Um die Energiewende kosten- und naturverträglich zu gestalten, sollte die Energie idealerweise dort erzeugt werden, wo sie benötigt wird. Somit leistet ein Windpark auf dem Zeller Blauen einen wichtigen Beitrag zur dezentralen, klimafreundlichen Versorgung mit Strom und zur schrittweisen Umsetzung der Energiewende. Windenergie ist ein wesentlicher Bestandteil eines zunehmend und perspektivisch ausschließlich aus Erneuerbaren Erzeugungstechnologien bestehenden Energiemixes. Windenergie hat z.B. die niedrigsten Stromgestehungskosten sowie den geringsten Flächenverbrauch der Erneuerbaren Energien.

Dass Strom nicht gespeichert werden könne und Strom aus Windkraft nicht grundlastfähig sei, ist kein Argument gegen den Ausbau der Windkraft. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen bilden einen konsistenten, kosteneffizienten und umweltverträglichen Erzeugermix, der durch technische und geographische Diversifizierung an Zuverlässigkeit noch weiter zunimmt.

Insgesamt befindet sich das Energiesystem in der Entwicklung hin zu dezentralen, flexiblen Anlagen, die sinnvoll ergänzt werden müssen. Speicherkapazitäten sind perspektivisch aufzubauen und zu integrieren. Der Ausbau von Stromspeicherkapazitäten ist dann erforderlich, wenn die Erzeugungsleistung aus fluktuierenden Stromerzeugungsanlagen soweit ausgebaut ist, dass die zeitgleiche Erzeugung größer als der Strombedarf ist und damit zwischengespeichert werden muss. Dieses ist gerade in Südbaden noch nicht der Fall. Die sinnvollen Initiativen zur Entwicklung und Implmentierung von großen und kleinen Kurz- und Langzeitspeichern sind auch jetzt schon sinnvoll, um für die Zukunft wichtige Lern- und Kostensenkungseffekte zu erzielen und somit vorbereitet zu sein, wenn Speicherbedarfe für die Umsetzung der Energiewende zwingend werden.

Informationen über die aktuelle Energiebilanz im Netz in der Region finden sie unter folgendem Link: http://www.ednetze.de/unternehmen/ueber-uns/energiebilanz-im-netzgebiet.

Warum kommt es dennoch zu Abschaltungen von Erneuerbaren Energien-Anlagen?

Heutige Abschaltungen von Erneuerbare Energien-Anlagen sind auf lokale kurzzeitige Netzengpässe und den intensiven Weiterbetrieb von konventionellen Kraftwerken zurückzuführen, die mit dem fortschreitenden Netzausbau behoben werden. Aktuell ist gerade im Schwarzwald und Süddeutschland ein dauerhaftes Überangebot von Strom nicht absehbar, insbesondere vor dem Hintergrund der geplanten Abschaltungen der Atomkraftwerke Philippsburg II und Fessenheim und Neckarwestheim II.

Auch heute gibt es bereits effiziente und schnell verfügbare Speichertechnologien. Gerade Batterie- und Pumpspeicherkraftwerke eignen sich aufgrund ihres hohen Wirkungsgrades (>90% bzw. >75%) und des schnellen Anspringverhaltens besonders, um die Überkapazitäten aus Sonne und Wind kurzfristig zwischen zu speichern. Als saisonale Speicher werden Power-to-Gas Anlagen bereits eingesetzt.

Reicht der Wind am Zeller Blauen aus, um dort die geplanten Windenergieanlagen wirtschaftlich zu betreiben?

Ja. Die bisher gemessenen Werte liegen im Bereich von 5,5 – 6,5 Meter/Sekunde im Jahresdurchschnitt. Mit dem geplanten Anlagentyp, ENERCON E-138, ist ein wirtschaftlicher Betrieb darstellbar.

Der Betreiber führte zwischen März und Juli 2013 eine erste Windmessung über 4 Monate mit einem LiDAR-Gerät durch. Nach diesem kurzen Messzeitraum mit einer niedrigen Datenverfügbarkeit wurde der Standort als nicht wirtschaftlich eingeschätzt. Erst durch die vielversprechenden Windmessungen am Nachbarstandort, Windpark Rohrenkopf, wurde eine zweite Windmesskampagne mit zeitweise zwei LiDAR-Messsystemen am Höhenrücken des Zeller Blauen über einen längeren Zeitraum von Februar 2015 bis Mai 2017 durchgeführt. Durch diese umfangreichen Windmessungen hat der Betreiber nun eine sichere und Umfangreiche Datengrundlage.

Wie unterscheiden sich die Windmessungen am Zeller Blauen von 2013 und 2015?

Die 1. Windmessung erfolgte in 2013 und ergab bei einer Datenverfügbarkeit von 59 % eine Windverteilung am Zeller Blauen über eine freie mittlere Windgeschwindigkeit auf 140 m von ca. 5,45 m/s.

Die 2. Windmessung erfolgte differenziert nach südlichem und nördlichen Zeller Blauen beginnend in 2015 bis Juni 2017 und ergab bei einer deutlich höheren Datenverfügbarkeit eine Windverteilung über eine freie mittlere Windgeschwindigkeit auf 159 m von ca. 6,5 m/s (südlicher Zeller Blauen) bzw. 5,7 m/s (nördlicher Zeller Blauen).

Die höhere Windgeschwindigkeit und höhere Datenverfügbarkeit in Nabenhöhe zusammen mit der längeren Messdauer führen zu dem Schluss, dass ein sinnvoller Betrieb eines Windparks auf dem Zeller Blauen möglich ist.

Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass die Leistung einer Windkraftanlage vor allem vom Radius des Rotors und von der Windgeschwindigkeit abhängt, weil diese Parameter zum Quadrat bzw. mit der dritten Potenz in die Leistungsberechnung eingehen.

Wie hoch werden die Anlagen und wie viel werden insgesamt errichtet?

Der Turm dieser Anlage ist 160 Meter hoch, der Rotordurchmesser beträgt 138 Meter. Die Gesamthöhe der Windenergieanlage bis zur Flügelspitze beträgt damit 229 Meter.

Sind die Genehmigungsanträge für den geplanten Windpark bereits eingereicht?

Nein. Die Unterlagen zur Einreichung eines Genehmigungsantrags befinden sich derzeit noch in Vorbereitung. Für einen Genehmigungsantrag sind, neben Gutachten zu Schall, Schatten, Standsicherheit (Turbulenzgutachten), Visualisierungen auch umfangreiche Gutachten für den Natur- und Artenschutz notwendig. Diese Untersuchungen werden in 2018 durchgeführt, die Gutachten werden dann im 1. Quartal 2019 fertiggestellt. Der Genehmigungsantrag mit allen durchgeführten Gutachten kann daher frühestens zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt und beim Landratsamt Lörrach eingereicht werden.

Im optimalen Fall kann der Windpark Ende 2019/ Anfang 2020 genehmigt werden.

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In unserer Rubrik „Klartext“ wollen wir möglichst umfangreich die unterschiedlichen Aspekte des Windparks beleuchten. Das versuchen wir über häufig gestellte Fragen und die passenden Antworten zu lösen.

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