Auswirkungen

Welche Anlagen kämen am Zeller Blauen zum Einsatz und wie sind diese dimensioniert?

Nach den derzeitigen Planungen ist die Errichtung von max. bis zu neun Windenergieanlagen des Typs Enercon E-138 vorgesehen. Diese Anlagen haben eine Leistung von jeweils 3,5 MW und eine Nabenhöhe von 160 m. Der Durchmesser des Rotors beträgt 138 Meter.

Wie effizient sind Windenergieanlagen bezüglich Kosten und Ressourceneinsatz?

Der Ressourceneinsatz für den Bau von Windenergieanlagen ist im Vergleich zu anderen Energieerzeugungstechnologien sehr gering. Windenergie ist eine der effizientesten Technologien zur Stromerzeugung. Die energetische Amortisationszeit liegt deutlich unter einem Jahr. Danach wird die Energiebilanz von Windrädern anders als bei konventionellen Kraftwerken immer positiver.

Wie viel Fläche beanspruchen Windenergieanlagen und wie viel Wald muss weichen?

Windenergieanlagen erzeugen je nach Standort und Anlagentyp bis zu 20 Mio. kWh pro ha. Damit sind sie um Größenordnungen flächeneffizienter als z.B. Solaranlagen (ca. 0,8 Mio. kWh pro ha) oder Bioenergieanbau. Etwa die Hälfte der für den Bau erforderlichen Fläche kann nach Beendigung des Baus direkt wieder aufgeforstet werden. Lediglich die Fundamentfläche sowie der Stellplatz für den Kran werden für die Dauer des Betriebes der Waldnutzung permanent entzogen – insgesamt eine Fläche in der Größenordnung eines halben Fußballfeldes.

Im Vergleich zu einem kommerziellen Holzeinschlag ist die Fläche angesichts der immensen Waldflächen im Schwarzwald (ca. 50 ha werden in Baden-Württemberg jede Woche durch Bau- und Infrastrukturmaßnahmen versiegelt) sehr gering.

Zudem sind die Betreiber verpflichtet, für die in Anspruch genommene Fläche einen Ausgleich z.B. durch Aufforstungsmaßnahmen zu schaffen. Windenergieanlagen können nach Ihrem Betrieb vollständig rückgebaut werden. Auch hierzu sind die Betreiber verpflichtet und müssen vor Baubeginn entsprechende Bankbürgschaften nachweisen.

Wie wird das Thema Schall bei der Planung berücksichtigt?

Die rechtlichen Vorgaben bzgl. Lärmschutz und Schall sehen folgende Grenzwerte gemäß TA Lärm an der betreffenden Immissionsstelle vor. Die im Flächennutzungsplan festgelegten Abstände sind als Lärmschutz-Vorsorgeabstände zu verstehen. Die konkret einzuhaltenden Mindestabstände für eine Bau- und Betriebsgenehmigung werden unter Einhaltung der Lärmschutz-Richtwerte gemäß TA-Lärm  definiert.

Grenzwerte nach TA Lärm:

Gebietsnutzung Immissionsrichtwert

nachts in [dB(A)]

Vorsorge-Abstände gemäß Flächennutzungsplan
Reines Wohngebiet, Kurgebiet, Krankenhaus 35 1.000 m
Allgemeines Wohngebiet 40 700 m
Kern-, Dorf- und Mischgebiet, Wohnnutzung im Außenbereich 45 500 m
Gewerbegebiet 50 500 m

Grundsätzlich sind alle rechtlich vorgegebenen Werte (Schall, Schatten etc.) so in der Planung zu berücksichtigen, dass sie jederzeit eingehalten werden.

Ein Schallpegel von 45 dB(A) beispielsweise entspricht laut der Schallpegeltabelle des Arbeitsschutzes typischerweise der Geräuschkulisse in einer ruhigen Wohnung.

Was ist mit dem Schatten der Windenergieanlagen? Ist dieser auch gesetzlich geregelt?

Bei klarem Himmel und gleichzeitigem Wind wird durch die Windenergieanlagen durch den sich bewegenden Rotor ein bewegter Schattenwurf erzeugt. Dies führt zum sogenannten Schlagschatten. Der Schattenwurf wird bereits im Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Anlagenbetreiber müssen dazu Gutachten mit einer Schattenwurfprognose vorlegen.

Gesetzlich ist der Schattenwurf, der auf ein Wohngebäude fallen darf, klar begrenzt und von der Bund-/Ländergemeinschaft für Immissionsschutz in den WEA-Schattenwurf-Hinweisen vom 13.03.2002 festgelegt worden: demgemäß darf im Verlauf eines Tages dieser Schlagschatten (d.h. wenn die Sonne scheint und der Wind weht) nicht mehr als 30 Minuten auf ein Wohngebäude fallen. Über das gesamte Jahr hinweg darf dieser Schlagschatten nicht mehr als 30 Stunden stattfinden. Bei den genannten Werten handelt es sich um theoretische Größen, die sich unter der Annahme ergeben, dass jahraus, jahrein der Wind weht, die Anlage in Betrieb ist, und die Sonne von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang scheint. Weil diese Bedingungen nicht 24 Stunden am Tag herrschen, ist die tatsächliche Belastung an einem Wohngebäude, wo laut theoretischem Gutachten 30 Stunden pro Jahr Schattenwurf auftreten könnten, bei lediglich 7 – 8 Stunden pro Jahr vorhanden. Wird im Schattenwurf-Gutachten die theoretisch prognostizierte Stundenanzahl überschritten, muss die Anlage abgestellt werden. Wie oben beschrieben ist hierfür nicht die tatsächliche Belastung ausschlaggebend, sondern die theoretisch berechnete Belastung.

Ein Video des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit zeigt qualitativ auf wie der Schattenwurf einer Windenergieanlage entsteht und zu berechnen ist: http://www.energieatlas.bayern.de/media/energie/oeib_schatten.mp4 .

Weitere ausführliche Informationen zum Schattenwurf können auch in diesem Dokument des Bayerischen Landesamts für Umwelt nachgelesen werden.

Blinken Windenergieanlagen nachts?

Die Genehmigungsbehörde legt fest, ob die Windenergieanlagen blinken müssen oder nicht. Dies hängt mit der Flugsicherheit zusammen, weil Flugzeuge die Windenergieanlagen in der Nacht erkennen müssen, um Kollisionen zu vermeiden. Bei den heutigen Windenergieanlagen werden diese rotblinkenden Lichter von der Genehmigungsbehörde vorgeschrieben. Es sind derzeit aber technische Alternativen in der Entwicklung und zum Teil schon im Einsatz.

Werden von Windenergieanlagen bestimmte Stoffe oder Strahlen, die die Gesundheit von Mensch und Tier beeinträchtigen könnten, abgegeben?

Nein. Die einzigen der Wissenschaft derzeit bekannten Emissionen von Windenergieanlagen im Betrieb sind Schallwellen und Schattenwurf. Eine Windenergieanlage erzeugt ansonsten keine weiteren Emissionen, da sie keinerlei wasser- oder gesundheitsgefährdende Stoffe verarbeitet oder produziert. Auch produziert sie keine Strahlenbelastungen oder Sonstiges.

Muss man einen Wertverlust bei Immobilien befürchten?

Viele Bürgerinnen und Bürgern, die in der Nähe geplanter Windparks leben, befürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien durch den Bau von Windrädern. Die Bewertung von Immobilienpreisen hängt allerdings von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren ab. Neben dem energetischen Standard, der Ausstattung und dem Bodenrichtwert spielt vor allem die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, die Lage (Versorgungsmöglichkeiten, Arbeitsplätze etc.) und Nachbarschaft die entscheidende Rolle. Diese komplexe Gemengelage wird es nicht zulassen, zuverlässig und wissenschaftlich nachvollziehbar eine Aussage zu treffen, inwieweit Immobilienpreise an einem bestimmten Standort tatsächlich durch den Bau von Windenergieanlagen beeinträchtigt werden könnten.

Es gibt einige lokale Auswertungen und Untersuchungen dazu: Der Fachbereich Geoinformation und Bodenordnung der Stadt Aachen hatte in 2011 eine langfristig angelegte Analyse der Immobilienwerte durch naheliegende Windenergieanlagen und Windparks intensiv untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass „…für die zu den Windkraftanlagen nächstgelegenen Wohngebiete keine entgegen dem Durchschnitt negativen Entwicklungen erkennbar sind…“.

Eine weitere Untersuchung des Gutachterausschusses des Kreises Steinfurt kam zu einem ähnlichen Ergebnis: „In beiden Auswertungen ergab die Einzelbetrachtung des Marktsegments unterhalb des normalen Marktes keinen Rückschluss auf den Einflussfaktor WEA. Die Nähe zur WEA war auf den jeweiligen Kaufpreis nicht verifizierbar.“ Auch der Gutachterausschuss für Grundstückswerte Aurich kommt in seinem Grundstücksmarktbericht 2015 zum Ergebnis, dass im untersuchten Landkreis und Zeitraum (Jahr 2015) die Kaufpreise von Häusern in direkter Nachbarschaft zu Windenergieanlagen nicht gesunken sind und kein direkter Zusammenhang zwischen Immobilienwert und Windenergieanlage hergestellt werden kann.

Wie kann erreicht werden, dass ein möglichst großer Anteil der Wertschöpfung vor Ort gehalten wird?

Die beteiligten Gemeinden profitieren von den zu leistenden Pachtzahlungen der für die Errichtung und den Betrieb der geplanten Windenergieanlagen genutzten Flächen sowie über die Gewerbesteuereinnahmen der Windparkbetreibergesellschaft. Die Aufteilung der Gewerbesteuereinnahmen ist im GewStG geregelt. Weiter sollen nach Möglichkeit ortsansässige Unternehmen im Zuge der Bau- und Vermessungsarbeiten beauftragt werden.

Wie werden Naturschutzbelange berücksichtigt?

Naturschutzbelange werden im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens von der Naturschutzbehörde geprüft. Für die Genehmigung eines Windparks muss gegenüber der Behörde dargelegt werden, dass die artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände des §44 Bundesnaturschutzgesetz (Tötungsverbot, Störungsverbot, Beschädigungsverbot) beachtet werden. Die Untersuchungen werden zeigen, ob und wenn ja wie ein Windpark naturschutzrechtlich zu verantworten ist.
Schutzgebiete und gesetzlich geschützte Biotope sind Ausschlusskriterien für die Nutzung der Windenergie. Für den Eingriff beim Bau eines Windparks müssen grundsätzlich Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen getroffen werden. Denkbar sind zum Beispiel die Anlage ökologisch hochwertiger Waldränder oder der Umbau von Nadelholzbeständen zu ökologisch höherwertigem Nadelmischwald. Der Eingriff und die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen werden in einem im Rahmen des Genehmigungsverfahrens erstellten landschaftspflegerischen Begleitplan bilanziert.

Werden durch Windkraftanlagen Wildvögel und Fledermäuse getötet?

Es besteht die Möglichkeit, dass Wildvögel und Fledermäuse mit dem Rotor einer Anlage kollidieren (bzw. im Falle der Fledermäuse vom erzeugten Druck zu Tode kommen) und zu Tode kommen. Dann ist die Windenergie eine, aber nicht die einzige und schon gar nicht die häufigste vom Menschen zu verantwortende Todesursache. Verkehr, Glasscheiben etc. töten jährlich viele Millionen Vögel. Aktuell erfolgen eine Vielzahl an Untersuchungen, um die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Avifauna zu untersuchen. Im Sinne des Klimaschutzes und damit im Sinne des Natur- und Artenschutzes ist ein Kompromiss zwischen Artenschutz und dem Ausbau von Windkraftanlagen zu finden.

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In unserer Rubrik „Klartext“ wollen wir möglichst umfangreich die unterschiedlichen Aspekte des Windparks beleuchten. Das versuchen wir über häufig gestellte Fragen und die passenden Antworten zu lösen.

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